Theodore Akimenko & die französische Schule (u. a. Claude Debussy)

5. März 2026 18:30 Uhr,
Köln, Bechstein Centrum Köln

Das Eröffnungskonzert des Festivals Sounds of Ukraine ist dem künstlerischen Dialog zweier Welten gewidmet – der ukrainischen und der französischen – im Werk von Theodore Akimenko (1876–1945) und Claude Debussy (1862–1918). Das Jubiläumsjahr Akimenkos bietet die Gelegenheit, einen Komponisten neu zu entdecken, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts fest im europäischen Musikleben verankert war, jedoch durch Emigration und historische Umstände über Jahrzehnte aus dem ukrainischen Kulturraum verdrängt wurde.

 

Geboren in der Region Charkiw und ausgebildet an der Hofsängerkapelle sowie am Petersburger Konservatorium, war Akimenko Komponist, Pianist, Dirigent und Pädagoge. Sein Lebensweg führte ihn über Tiflis, Nizza und Prag nach Paris; in die Ukraine kehrte er nur ein einziges Mal zurück – im Jahr 1924. Gerade im Exil gewann sein Bewusstsein für die eigene ukrainische Identität besondere Tiefe, was sich in zahlreichen Werken mit ukrainischer Thematik widerspiegelt, die auch in diesem Konzert erklingen.

 

Akimenkos musikalische Sprache verbindet deutschen Romantizismus mit französischem Impressionismus, feine harmonische Farbigkeit mit eleganter Formklarheit. Frankreich wurde zu seiner letzten Heimat, weshalb die Gegenüberstellung seiner Musik mit Werken Debussys in diesem Programm besonders schlüssig erscheint. Ein besonderer Akzent liegt auf der Tradition des vierhändigen Klavierspiels: Debussys Petite Suite und Akimenkos Sechs ukrainische Stücke gehören zu den markanten Beispielen dieses Genres in der französischen bzw. ukrainischen Kunstmusik; Akimenkos Zyklus zählt zu den frühesten Werken dieser Art in der ukrainischen Musikgeschichte.

 

Die Soloklavierwerke Akimenkos eröffnen einen zutiefst intimen Klangraum. Die Mazurka „Souvenir“ op. 26 ist eine lyrische Geste der Erinnerung, in der sich der Tanz in ein inneres Bild verwandelt. Die Fantaisie op. 26bis offenbart ein freies, impulsives Denken voller Kontraste und improvisatorischer Bewegung.

 

Eine besondere Stellung im Programm nimmt der Zyklus „Caprices des harmonies“ ein – 21 Präludien-Miniaturen für Klavier op. 62bis (1914). Es ist ein harmonisches Universum im Kleinen: Jedes Stück gleicht einem kurzen Atemzug, einem flüchtigen Stimmungsbild. Der Zyklus gehört zu den frühen Beispielen einer modernen Präludienform in der ukrainischen Musik, in der die Harmonik zum zentralen Träger des Ausdrucks wird. Akimenko experimentiert hier kühn mit Klangfarbe, Textur und Rhythmus und schafft eine Musik von großer Feinheit und innovativer Kraft.

Die „Caprices des harmonies“ erklingen hier erstmals in Deutschland. Darüber hinaus wird dieser Zyklus insgesamt äußerst selten aufgeführt. Seine Abwesenheit von den Konzertpodien ist weniger der Schwierigkeit als vielmehr dem Vergessen geschuldet – umso bedeutender ist seine Rückkehr auf die Bühne.

 

Ergänzt wird das Programm durch drei Stücke über ukrainische Themen, in denen das nationale Idiom nicht als Zitat erscheint, sondern als innerer, zurückhaltender und zutiefst persönlicher Klang. Genau darin liegt die Idee des Festivals Sounds of Ukraine: vergessene Musik wieder hörbar zu machen – Werke, die lange im Schatten standen, aber ein heutiges Publikum unbedingt verdienen.

Bechstein Centrum Köln

Glockengasse 6
50667 Köln

Programm

 

Akimenko Theodore (1876–1945)

Drei Stücke über ukrainische Themen für Klavier

  1. Tendre idylle
  2. Près du berceau
  3. Chant de fête

Sechs ukrainische Stücke, op. 71 (1925)

für Klavier zu vier Händen

  1. Dumka
  2. Zum Tanz
  3. Lied
  4. Hochzeit
  5. November
  6. Gretschaniky

 

„Souvenir“, Mazurka, op. 26 (1904)

(Widmung: Mademoiselle Jelagina)

Fantaisie, op. 26bis (1904)

(Widmung: Klavdia Semjonowna Trailina)

„Caprices des harmonies“

21 Präludien-Miniaturen für Klavier, op. 62bis (1914)

 

Claude Debussy

Petite Suite (1889) für Klavier zu vier Händen

  1. En bateau
  2. Cortège
  3. Menuet
  4. Ballet

 

Musiker

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